Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

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Zur persönlichen Andacht für Ostern 2021

Evangeliumslesung: Markus 16,1-8

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

Und sie sahen hin und wurden gewahr, daß der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, daß er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Osterbetrachtung:

 Das Osterfest begeht die Christenheit als das „Siegesfest des Lebens“; sie feiert damit das „Mysterium der Unsterblichkeit“, die die Bestimmung alles Lebendigen ist.

Die Ostergeschichten der Bibel künden von diesem Geheimnis, indem sie Christus als den „Auferstandenen“ bezeugen: Obgleich gekreuzigt, gestorben und begraben, geht er dem Leben doch nicht verloren, bleibt er als Teil dessen doch darin geborgen und ewig erhalten.

Zugegeben: Naturwissenschaftliche Beweise vermögen dieses Lebensgeheimnis nicht zu erreichen. Allein die ahnende, sehnende Menschenseele kann zu diesem Wunder Zugang finden:

Der bekannte dänische Dichter Hans Christian Andersen erzählt in seiner Autobiographie davon, wie er einst durch einen winterlichen Park spazierenging. Der Rasen war mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Aus einer offenbar melancholischen Laune heraus schrieb er mit seinem Gehstock gedankenverloren ein Reimwort in den Schnee:

„Unsterblichkeit gleicht dem Schnee.

Morgen ich nichts mehr davon seh‘.“

Und der Dichter berichtet weiter: „Ich ging fort, es taute, und einige Tage darauf trat wieder Frost ein. Als ich nun wieder zu dieser Stelle kam, war der Schnee überall bis auf einen kleinen Fleck geschmolzen, doch ich erkannte noch das Wort „Unsterblichkeit“. Ich war tief bewegt durch diesen Zufall, und mein lebhafter Gedanke war: „Gott, ich habe niemals daran gezweifelt.“   

 

Gebet zum Abschluß:

 Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?

Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.

Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

 

Jesus lebt, ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesus scheiden,

keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.

Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

 

 

 

 

Jahreslosung 2020:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Mk 9,24

 

Gedanken zur Jahreslosung

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ – So bittet der Vater eines kranken Kindes. Er möchte glauben, möchte die stärkende Kraft des Gottvertrauens spüren. Aber er kann es nicht.
Er ist wohl nicht allein mit dieser Not: Wie oft fällt dieser Satz: „Ich möchte so gerne glauben! Aber so sehr ich es auch will: Ich schaffe es nicht!“
Liegt das daran, dass sich der Glaube, dass sich das Vertrauen nicht erzwingen lässt – weder bei sich selber noch – erst recht – bei anderen?
Glaube ist kein Besitz, den man unter Anstrengungen erringen und krampfhaft festhalten könnte! Gottvertrauen ist – im Gegenteil – die Haltung des Los- und Zulassens, des Sich-tragen-Lassens: Der Vertrauende erfährt sich gerade in dieser Gelassenheit getragen von den Kräften des Lebens. Besonders dort, wo er nichts festzuhalten oder zu leisten vermag, kann er verspüren, wie er dennoch geborgen bleibt. Gottvertrauen ist also keine Angelegenheit des eigenen Willens, des persönlichen Vorsatzes. Gottvertrauen wächst uns vielmehr zu, ist Geschenk. Darum die Bitte des Vaters: „Hilf meinem Unglauben!“
Was wir landläufig als zu verteidigenden, frommen „Glaubensbesitz“ ansehen, hat meist recht wenig mit dem Gottvertrauen im Geiste der Bibel zu tun! Darauf macht Jan Twardowski mit folgenden poetischen wie provokanten Worten aufmerksam:
„Wie oft muss man ihn verlieren, den amtlichen aufgeblasenen Glauben, der seine Nase hochhält, sich absichern will, von hier bis dort verkündet, um  diesen einen zu finden, den es doch einfach gibt als die Begegnung im Dunkel, wenn Unsicherheit eine Sicherheit wird, den wahren, weil gänzlich unglaublichen Glauben.“


 Pfarrer Christof Schumann.