Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

Willkommen bei der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Johanngeorgenstadt

Tränen und Trost:

(Gedanken zum Monatsspruch für November 2020: Jeremia 31,9)

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.

Um Tränen geht es und um Tröstung.

Die besonderen geschichtlichen Umstände, die den Propheten zu diesem Wort veranlaßt und inspiriert haben, muß man dabei gar nicht kennen: Seine Botschaft ist auch so klar und spricht unmittelbar das Herz an:

Tiefer Schmerz soll Heilung erfahren.

Hierbei fällt mir ein Wort (von Thomas Morus) ein, welches William Paul Young in seinem Bestseller „Die Hütte“ zitiert:

„Es gibt auf Erden keinen Kummer, den der Himmel nicht heilen könnte.“

Der Verzweifelte soll aufgerichtet, der Traurige getröstet werden. Nicht geweinte Tränen können die Seele „versteinern“ lassen, verdrängter Schmerz macht krank. Tränen, wenn sie erst einmal fließen, eröffnen und fördern dagegen die Heilung der Seele, sie lösen innere Blockaden, sie verwandeln den Schmerz.

Eine alte französische Legende erzählt davon, wie ein Heiliger in den Himmel eingelassen wird. Als Lohn für seinen tadellosen Lebenswandel bekommt er eine goldene Krone aufgesetzt. Bald aber sieht er, daß alle anderen Heiligen juwelenbesetzte Kronen tragen.

Und so beschwert er sich und fragt: „Warum hat meine Krone keine Juwelen?“

Der Engel antwortet: „Weil du keine gegeben hast. Diese Juwelen sind die Tränen, welche die Heiligen auf Erden vergossen. Du hast keine Träne geweint.“ – „Wie konnte ich“, fragt der Heilige, „wo ich so glücklich  war in der Liebe zu Gott?“ – „Das ist viel“, sagt der Engel.  „Hier ist deine Krone, sie ist aus Gold, aber Juwelen sind nur für die, die weinten.“

Christof Schumann, Pfarrer

 

 

 

„Was uns trägt“

Gedanken zum Monatsspruch für Juli:

 „Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach:

Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“  (1. Könige 19,7)

 Ausgebrannt ist er, völlig erschöpft. Verrannt hat er sich in blindem Eifer. Viel zu weit gegangen war er in seinem Fanatismus! Kein Wunder, dass man nach ihm – nach Elia – fahndet!

Die Einsamkeit der Wüste wird ihm zum Rückzugsort. Hier wähnt er sich am Ende, ohne Zukunft.

Doch das vermeintliche Ende erweist sich als Wende, als Neubeginn: Inmitten seiner Resignation spürt er, wie er dennoch getragen bleibt. Die Einöde erlebt er als einen Ort der Stärkung. Hier fasst er frischen Lebensmut. Seine „Seelenfinsternis“ weicht. Eine lichte Zukunft lockt wieder, weckt seine „Lebensgeister“: „Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ (1. Könige 19,7)

Erschöpfung und Resignation gehören zum Menschsein dazu. Niemand sehnt sich danach. Aber wenn wir dennoch in solche „Wüsten“ geraten, können wir darin womöglich ähnliche Erfahrungen machen: trotz Not gehalten zu sein und geborgen.

Vielleicht muss man erst an die eigenen Grenzen stoßen, die eigene Schwachheit fühlen, um überhaupt der stärkenden und heilmachenden Lebenskräfte gewahr zu werden.

Carl Friedrich von Weizsäcker bekennt sich zu dieser Überzeugung, wenn er schreibt: „Die tiefste Erfahrung von sich selbst, zu der der Mensch in seiner Natur und in der Gesellschaft vordringt, lautet nicht Freiheit, sondern Ohnmacht. Die tiefste Erfahrung vom Gelingen menschlichen Lebens ist nicht eine Erfahrung eigener Macht, sondern von Gnade. Die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern Gott.“

Bleiben wir also achtsam für das, was uns trägt!

Pfarrer Christof Schumann.

 

Jahreslosung 2020:

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Mk 9,24

 

Gedanken zur Jahreslosung

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ – So bittet der Vater eines kranken Kindes. Er möchte glauben, möchte die stärkende Kraft des Gottvertrauens spüren. Aber er kann es nicht.
Er ist wohl nicht allein mit dieser Not: Wie oft fällt dieser Satz: „Ich möchte so gerne glauben! Aber so sehr ich es auch will: Ich schaffe es nicht!“
Liegt das daran, dass sich der Glaube, dass sich das Vertrauen nicht erzwingen lässt – weder bei sich selber noch – erst recht – bei anderen?
Glaube ist kein Besitz, den man unter Anstrengungen erringen und krampfhaft festhalten könnte! Gottvertrauen ist – im Gegenteil – die Haltung des Los- und Zulassens, des Sich-tragen-Lassens: Der Vertrauende erfährt sich gerade in dieser Gelassenheit getragen von den Kräften des Lebens. Besonders dort, wo er nichts festzuhalten oder zu leisten vermag, kann er verspüren, wie er dennoch geborgen bleibt. Gottvertrauen ist also keine Angelegenheit des eigenen Willens, des persönlichen Vorsatzes. Gottvertrauen wächst uns vielmehr zu, ist Geschenk. Darum die Bitte des Vaters: „Hilf meinem Unglauben!“
Was wir landläufig als zu verteidigenden, frommen „Glaubensbesitz“ ansehen, hat meist recht wenig mit dem Gottvertrauen im Geiste der Bibel zu tun! Darauf macht Jan Twardowski mit folgenden poetischen wie provokanten Worten aufmerksam:
„Wie oft muss man ihn verlieren, den amtlichen aufgeblasenen Glauben, der seine Nase hochhält, sich absichern will, von hier bis dort verkündet, um  diesen einen zu finden, den es doch einfach gibt als die Begegnung im Dunkel, wenn Unsicherheit eine Sicherheit wird, den wahren, weil gänzlich unglaublichen Glauben.“


 Pfarrer Christof Schumann.